Ausrichtung und Ertrag der Kollektoren
Wer eine Solarthermie-Anlage plant – ob zur Warmwasserbereitung oder in Kombination mit einem wasserführenden Kaminofen – sollte die Ausrichtung und Neigung der Kollektoren sorgfältig planen. Schon leichte Abweichungen von der Idealposition können den Ertrag reduzieren. Dieser Ratgeber zeigt, welche Ausrichtung optimal ist, wie sich Neigung und Himmelsrichtung auf den Ertrag auswirken und worauf Sie bei der Planung achten müssen.
Die optimale Ausrichtung: Süd, 30–45 Grad
Im optimalen Fall sind die Kollektoren genau nach Süden ausgerichtet, mit einer Neigung von ca. 30–45 Grad. Diese Kombination liefert in Deutschland den höchsten Jahresertrag, da die Sonnenstrahlung über das gesamte Jahr hinweg am besten eingefangen wird.
Warum genau Süd?
In Deutschland steht die Sonne über den Tag gesehen überwiegend in der südlichen Himmelshälfte. Eine Südausrichtung stellt sicher, dass die Kollektoren über den gesamten Tag die maximale direkte Sonneneinstrahlung erhalten – von morgens bis abends.
Warum 30–45 Grad Neigung?
- 30 Grad – optimal für Sommerbetrieb (Sonne steht hoch), ideal bei reiner Warmwasserbereitung
- 45 Grad – optimal für Ganzjahresbetrieb, guter Kompromiss zwischen Sommer- und Winterertrag
- 45–60 Grad – vorteilhaft für Heizungsunterstützung im Winter (Sonne steht tief)
Grobe Faustregel: Südausrichtung mit 30–45 Grad Neigung ergibt den besten Jahresertrag. Für reine Warmwasserbereitung eher 30 Grad, für Heizungsunterstützung eher 45–60 Grad wählen.
Einfluss der Dachneigung auf den Ertrag
Leider bringen schon leichte Abweichungen von der idealen Neigung Ertragsverluste. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich verschiedene Neigungswinkel bei Südausrichtung auf den Ertrag auswirken:
Ungefähre Ertragsverluste nach Dachneigung (bei Südausrichtung)
| Neigung | Ertragsverlust (ca.) | Bewertung |
|---|---|---|
| 30–45 Grad | 0 % | Optimal |
| 20–30 Grad | 5–10 % | Sehr gut |
| 45–50 Grad | 5–10 % | Sehr gut |
| 10–20 Grad | 10–15 % | Gut |
| 0–10 Grad (fast flach) | 10–15 % | Akzeptabel |
| 50–60 Grad | 10–20 % | Akzeptabel (gut für Winter) |
| 60–70 Grad | 20–30 % | Eingeschränkt |
| 70–90 Grad (Fassade) | 30–40 % | Nur als Ergänzung sinnvoll |
Steile Neigungen ab 50 Grad: bis zu 40 % Ertragsverlust
Bei Neigungen von 50–90 Grad können die Ertragsverluste bis zu 40 % betragen. Eine Fassadenmontage (90 Grad) ist daher nur als Ergänzung sinnvoll – etwa wenn keine Dachfläche verfügbar ist. Für den Hauptertrag sollte immer eine Dachneigung zwischen 20 und 50 Grad angestrebt werden.
Einfluss der Himmelsrichtung auf den Ertrag
Neben der Neigung spielt die Himmelsrichtung eine entscheidende Rolle. Abweichungen von der Südausrichtung nach Ost oder West führen zu Ertragsverlusten, da die Kollektoren weniger direkte Sonnenstrahlung erhalten.
Ungefähre Ertragsverluste nach Himmelsrichtung (bei 30–45 Grad Neigung)
| Ausrichtung | Ertragsverlust (ca.) | Bewertung |
|---|---|---|
| Süd | 0 % | Optimal |
| Südsüdost / Südsüdwest | 2–5 % | Sehr gut |
| Südost / Südwest | 5–10 % | Gut |
| Ost-Südost / West-Südwest | 10–15 % | Akzeptabel |
| Ost / West | 15–20 % | Eingeschränkt, aber nutzbar |
| Nordost / Nordwest | 30–50 % | Nicht empfohlen |
| Nord | 50–70 % | Nicht geeignet |
Kombinierte Ertragsverluste
Neigung und Himmelsrichtung wirken zusammen. Eine leichte Abweichung in nur einem Faktor ist meist unproblematisch. Kommen jedoch ungünstige Neigung und ungünstige Ausrichtung zusammen, addieren sich die Verluste:
Beispiele: Kombinierte Ertragsverluste
| Ausrichtung | Neigung | Ertragsverlust (ca.) |
|---|---|---|
| Süd | 35 Grad | 0 % (Referenz) |
| Südwest | 35 Grad | 5–10 % |
| Süd | 15 Grad | 10–15 % |
| Südwest | 15 Grad | 15–20 % |
| West | 35 Grad | 15–20 % |
| West | 60 Grad | 30–40 % |
| Süd | 90 Grad (Fassade) | 30–40 % |
Bis 15 % Verlust: wirtschaftlich vertretbar
Ertragsverluste bis ca. 15 % gelten als wirtschaftlich vertretbar. Die Anlage arbeitet dann immer noch effizient und amortisiert sich in einem akzeptablen Zeitraum. Erst ab ca. 20–25 % Verlust sollte geprüft werden, ob eine Aufständerung oder ein anderer Montageort sinnvoller ist.
Ausrichtung und Kollektortyp
Bei der Planung sollten Sie auch beachten, welche Art von Kollektoren Sie verbauen möchten. Zwischen Flachkollektoren und Röhrenkollektoren gibt es deutliche Unterschiede bei der Empfindlichkeit gegenüber Ausrichtungsabweichungen.
Ausrichtungstoleranz nach Kollektortyp
| Eigenschaft | Flachkollektor | Röhrenkollektor |
|---|---|---|
| Empfindlichkeit bei Abweichung | Höher – Ertrag sinkt schneller | Geringer – Vakuum kompensiert |
| Absorber drehbar? | Nein – fest verbaut | Ja – Röhren einzeln drehbar |
| Ost-/West-Dach geeignet? | Eingeschränkt (15–20 % Verlust) | Besser geeignet (Röhren drehbar) |
| Flaches Dach (0–15 Grad) | Aufständerung empfohlen | Aufständerung empfohlen, aber toleranter |
| Fassadenmontage (90 Grad) | Hohe Verluste (30–40 %) | Geringere Verluste dank Vakuumdämmung |
| Winterertrag bei Steilmontage | Reduziert | Besser (Vakuum minimiert Wärmeverluste) |
Bei nicht optimaler Dachausrichtung bieten Röhrenkollektoren einen klaren Vorteil: Die einzelnen Röhren können so gedreht werden, dass der Absorber optimal zur Sonne ausgerichtet ist – unabhängig von der Dachneigung. Das kompensiert einen Teil der Ertragsverluste. Einen ausführlichen Vergleich beider Kollektortypen finden Sie in unserem Ratgeber Flachkollektor oder Röhrenkollektor?
Bei einem Ost-West-Dach oder einer Neigung unter 20 Grad empfehlen wir Röhrenkollektoren. Ihre drehbaren Absorber und die Vakuumdämmung gleichen die ungünstige Position teilweise aus. Bei optimaler Südausrichtung mit 30–45 Grad Neigung sind beide Kollektortypen gleichermaßen geeignet – hier entscheidet das Budget.
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Verschattung und weitere Einflussfaktoren
Neben Ausrichtung und Neigung gibt es weitere Faktoren, die den Ertrag einer Solarthermie-Anlage beeinflussen:
Verschattung
Bäume, Nachbargebäude, Schornsteine, Antennen oder Dachgauben können Teile der Kollektorfläche zeitweise oder dauerhaft verschatten. Besonders kritisch ist Verschattung im Winter, wenn die Sonne tief steht und der Ertrag ohnehin geringer ist.
- Teilweise Verschattung – reduziert den Ertrag proportional zur verschatteten Fläche
- Morgendliche/abendliche Verschattung – weniger kritisch, da die Haupteinstrahlung mittags erfolgt
- Dauerverschattung – macht den betroffenen Bereich unbrauchbar
Standortfaktoren
- Geografische Lage – Süddeutschland erhält ca. 10–15 % mehr Sonnenstrahlung als Norddeutschland
- Höhenlage – höher gelegene Standorte haben oft weniger Nebel und mehr direkte Einstrahlung
- Lokales Klima – Regionen mit häufiger Bewölkung (z. B. Mittelgebirge) haben geringeren Ertrag
Aufständerung als Lösung
Bei Flachdächern oder ungünstiger Dachneigung kann eine Aufständerung die Kollektoren in den optimalen Winkel bringen. Die Unterkonstruktion wird auf dem Dach montiert und richtet die Kollektoren nach Süd mit der gewünschten Neigung aus. Kosten und Statik sollten vorab geprüft werden.
Verschattungsanalyse vor der Installation
Lassen Sie vor der Installation eine Verschattungsanalyse durchführen. Der Installateur prüft dabei den Sonnenverlauf über das gesamte Jahr und identifiziert mögliche Verschattungsquellen. So vermeiden Sie, dass die Anlage weniger Ertrag liefert als geplant.
Solarthermie und Kaminofen kombinieren
Auch bei nicht perfekter Ausrichtung lohnt sich eine Solarthermie-Anlage – besonders in Kombination mit einem wasserführenden Kaminofen. Der Kaminofen gleicht im Winter die geringere Solarleistung aus, während die Solarthermie im Sommer die komplette Warmwasserbereitung übernimmt. Mehr dazu in unserem Ratgeber Solarthermie und Kaminofen kombinieren.
Häufige Fragen (FAQ)
Welche Ausrichtung ist optimal für Solarkollektoren?
Optimal ist eine Südausrichtung mit einer Neigung von ca. 30 bis 45 Grad. Diese Kombination liefert in Deutschland den höchsten Jahresertrag. Abweichungen nach Südost oder Südwest reduzieren den Ertrag nur um ca. 5 bis 10 Prozent.
Wie viel Ertrag verliere ich bei Ost- oder Westausrichtung?
Bei einer reinen Ost- oder Westausrichtung ist mit Ertragsverlusten von bis zu 15 bis 20 Prozent gegenüber der optimalen Südausrichtung zu rechnen. Bei einer Kombination aus ungünstiger Ausrichtung und ungünstiger Neigung können die Verluste höher ausfallen.
Welche Dachneigung ist ideal für Solarthermie?
Die ideale Neigung liegt zwischen 30 und 45 Grad für ganzjährigen Ertrag. Für reine Warmwasserbereitung im Sommer sind flachere Neigungen um 30 Grad besser, für Heizungsunterstützung im Winter steilere Neigungen um 45 bis 60 Grad.
Was passiert bei einer zu flachen oder zu steilen Neigung?
Bei Neigungen von 0 bis 30 Grad ist mit ungefähr 5 bis 15 Prozent weniger Ertrag zu rechnen. Bei Neigungen von 50 bis 90 Grad können die Verluste bis zu 40 Prozent betragen. Eine Fassadenmontage mit 90 Grad ist daher nur als Ergänzung sinnvoll.
Sind Röhrenkollektoren bei ungünstiger Ausrichtung besser?
Ja, Röhrenkollektoren sind bei nicht optimaler Dachausrichtung toleranter als Flachkollektoren. Die einzelnen Röhren können so gedreht werden, dass der Absorber optimal zur Sonne ausgerichtet ist. Das kompensiert einen Teil der Ertragsverluste durch die Dachausrichtung.
Wie wirkt sich Verschattung auf den Ertrag aus?
Verschattung durch Bäume, Nachbargebäude, Schornsteine oder Dachaufbauten kann den Ertrag erheblich mindern. Besonders im Winter, wenn die Sonne tief steht, wirken sich Verschattungen stark aus. Eine Verschattungsanalyse vor der Installation ist daher empfehlenswert.