Holzvergaserkessel
Grundlagen
Was ist ein Holzvergaserkessel?
Ein Holzvergaser ist ein Zentralheizungskessel für Scheitholz, der das Holz zuerst in brennbares Gas umwandelt und dieses Gas in einer zweiten Brennkammer verbrennt. Er steht im Heizraum, versorgt Heizkörper, Fußbodenheizung und Warmwasser und braucht in aller Regel einen Pufferspeicher. Die Kessel im Sortiment haben 15 bis 49 kW.
Gegenüber einem einfachen Holzheizkessel mit nur einem Brennraum verbrennt der Vergaser das Holz vollständiger. Die meisten Kessel im Sortiment erreichen mehr als 90 Prozent Wirkungsgrad und tragen die Effizienzklasse A+. Dafür ist die Technik auf Holz zugeschnitten: Zugelassen sind naturbelassenes Scheitholz und Holzbriketts.
Ein Holzvergaserkessel passt, wenn …
- Sie eigenes oder günstig verfügbares Scheitholz haben und es trocken lagern können
- im Heizraum Platz für Kessel, Speicher und einen Holzvorrat ist
- Sie an kalten Tagen zwei- bis dreimal Holz nachlegen möchten
- ein Schornstein für feste Brennstoffe vorhanden ist oder gebaut werden kann
Eine andere Heizung passt besser, wenn …
- der Kessel bei Bedarf auch automatisch weiterheizen soll – dann ein Kombikessel für Holz und Pellets
- die Heizung ganz ohne Nachlegen laufen soll – dann ein Pelletkessel
- Sie das Feuer lieber im Wohnraum sehen möchten, statt einen Kessel im Keller zu bedienen – dann ein wasserführender Kaminofen
Technik
Wie funktioniert ein Holzvergaser?
Vergasung und Verbrennung laufen getrennt ab. Oben im Füllraum zersetzt sich das Holz mit wenig Luft zu Holzgas, das nach unten durch eine Düse in die Brennkammer strömt. Dort verbrennt es mit vorgewärmter Zusatzluft bei sehr hoher Temperatur und damit vollständiger als in einem Kessel mit nur einem Brennraum.
- Füllraum – hier liegt der Holzvorrat für einen Abbrand, im Sortiment 66 bis 220 Liter. Die Primärluft vergast vor allem die unterste Schicht über der Düse, das Holz darüber rutscht nach.
- Düse und Brennkammer – das Holzgas mischt sich mit der Sekundärluft und brennt aus. Keramische Formteile speichern die Hitze und schützen den Kesselkörper aus bis zu 8 mm starkem Stahlblech.
- Wärmetauscher – die heißen Abgase geben ihre Wärme an das Kesselwasser ab, das je nach Kessel und Einstellung 75 bis 95 °C erreicht und in den Speicher fließt.
Ein Holzvergaser arbeitet als Volllastkessel: Er soll eine Füllung in einem Zug abbrennen, statt gedrosselt vor sich hin zu glimmen. Gedrosselt schwelt das Feuer, Teer setzt sich ab und die Emissionen steigen. Möglich macht den Volllastbetrieb der Pufferspeicher, der die Wärme aufnimmt, die das Haus gerade nicht braucht, und sie nach dem Abbrand wieder abgibt.
Alle Kessel im Sortiment sind nach DIN EN 303-5 ausgewiesen. Diese europäische Norm gilt für Heizkessel für feste Brennstoffe bis 500 kW und legt Anforderungen und Prüfungen für Sicherheit, Verbrennung, Betriebsverhalten und Kennzeichnung fest. Da alle Kessel der Kategorie dieselbe Produktnorm tragen, wählen Sie nach Leistung, Scheitlänge und Ausstattung, nicht nach unterschiedlichen Prüfgrundlagen.
Auslegung
Leistung, Füllraum und Scheitlänge wählen
Bei einem Scheitholzkessel zählt nicht nur die Heizlast, sondern auch, wie oft Sie nachlegen möchten. Als Planungsregel gilt: so groß wählen, dass am kältesten Tag zwei bis drei Füllungen reichen. Der Kessel liegt deshalb meist etwas über der Heizlast des Hauses, die Ihr Heizungsbauer berechnet; den Rest gleicht der Speicher aus.
Genauso wichtig ist die Scheitlänge, denn sie muss zu Ihrem Holz passen. Die kleinsten Kessel nehmen Scheite bis 25 oder 33 cm, ab 25 kW passen Scheite bis 53 cm. Meterholz, einmal geteilt, ergibt 50-cm-Scheite; für 33 cm wird es gedrittelt, also einmal mehr gesägt.
| Leistungsklasse | Füllraum | Scheitlänge bis | Speicher nach 1. BImSchV |
|---|---|---|---|
| 15 kW | 66 l | 25 cm | mind. 825 l ein 1.000-l-Speicher |
| 19 bis 23 kW | 85 bis 86 l | 33 cm | mind. 1.045 bis 1.265 l ein 1.500-l-Speicher |
| 25 bis 32 kW | 125 l | 53 cm | mind. 1.375 bis 1.760 l 1.500 bis 2.000 l |
| 40 bis 49 kW | 160 bis 220 l | 53 cm | mind. 2.200 bis 2.695 l zwei Speicher |
Werte der Kessel im Sortiment. Mindestvolumen = Nennwärmeleistung × 55 Liter. Die Verordnung nennt zusätzlich einen Sollwert von 12 Litern je Liter Füllraum, bei 125 Litern Füllraum also 1.500 Liter. Speichergrößen nach dem tatsächlichen Inhalt der Pufferspeicher im Sortiment.
Vorgeschrieben ist der Speicher in § 5 Abs. 4 der 1. BImSchV. Die Ausnahmen dort betreffen Sonderfälle, etwa Anlagen, bei denen ein Reservekessel die Spitzenlast übernimmt. Der kleinste Holzvergaserkessel im Sortiment hat 15 kW und kommt mit einem 1.000-Liter-Speicher aus. Ab 40 kW sind zwei Speicher nötig, weil der größte Speicher im Sortiment rund 2.000 Liter fasst. Wie Sie das Volumen für Ihre Anlage genau bestimmen, zeigt die Seite Pufferspeicher richtig dimensionieren.
Aus der Praxis
Erst das Holz, dann die Kilowatt
Bevor wir über Kilowatt sprechen, frage ich nach dem Holz: Wie lang sind Ihre Scheite, und wie oft wollen Sie im Winter nachlegen? Daraus ergibt sich, ob ein Kessel für Scheite bis 25, 33 oder 53 Zentimeter passt. Danach messen wir den Heizraum aus, denn neben dem Kessel braucht auch der Speicher mit mindestens 55 Litern je Kilowatt seinen Platz. Erst wenn beides passt, lohnt der Blick auf die Details.
Sven Klitzsch, Berater für Solarthermie und Speicher bei kamdi24
Aufstellung
Heizraum und Schornstein vorbereiten
Ein Holzvergaserkessel wiegt leer rund 300 bis 565 Kilogramm und braucht vor sich Platz zum Befüllen und Reinigen. Alle Kessel im Sortiment haben einen Rauchrohranschluss mit 150 mm Durchmesser auf der Rückseite. Ob der Schornstein zum Kessel passt, sollte vor der Bestellung feststehen.
Einbringen und Stellfläche
Alle Kessel im Sortiment sind 678 bis 680 mm breit. Jede Tür und jede Engstelle auf dem Weg in den Heizraum braucht deshalb eine lichte Breite von mindestens etwa 70 cm; messen Sie das vor der Bestellung nach. Höhe, Tiefe und Gewicht wachsen mit der Leistung:
| Leistungsklasse | Höhe | Tiefe | Leergewicht |
|---|---|---|---|
| 15 kW | 1.280 mm | 670 mm | 302 kg |
| 19 bis 23 kW | 1.260 bis 1.281 mm | 830 bis 845 mm | 343 bis 376 kg |
| 25 bis 32 kW | 1.260 bis 1.281 mm | 1.030 bis 1.045 mm | 431 bis 469 kg |
| 40 bis 49 kW | 1.410 bis 1.563 mm | 1.042 bis 1.120 mm | 485 bis 565 kg |
Außenmaße und Leergewicht der Kessel im Sortiment.
Schwieriger als die Türbreite sind oft das Gewicht auf der Kellertreppe und enge Kurven im Transportweg. Geliefert wird per Spedition, planen Sie also Helfer oder eine Treppenkarre für den letzten Abschnitt ein.
Schornstein und Abgas
- Förderdruck – der Schornstein muss bei Nennwärmeleistung je nach Kessel 16 bis 25 Pa Förderdruck aufbringen. Zieht er deutlich stärker, begrenzt ein Zugbegrenzer den Unterdruck.
- Abgastemperatur – je nach Kessel 127 bis 250 °C am Stutzen. Je kühler das Abgas, desto eher kann im Schornstein Feuchtigkeit kondensieren; ein feuchteunempfindlicher Schornstein ist dann die sichere Wahl.
- Verbindung – das Rauchrohr vom Kessel zum Schornstein sollte kurz sein und wenige Bögen haben, damit der Zug nicht verloren geht.
Lassen Sie Ihren Bezirksschornsteinfeger den vorhandenen Schornstein vor dem Kauf prüfen. Er kennt die Querschnitte und Höhen vor Ort und nimmt die Anlage später ohnehin ab.
Anschluss
Passendes Zubehör für den Holzvergaser
Zum Kessel gehören ein Pufferspeicher und Sicherheits- und Regeltechnik. Welche Teile Pflicht sind, ergibt sich aus der Holzfeuerung selbst: Ein brennendes Feuer lässt sich nicht einfach abschalten, und der Rücklauf zum Kessel darf nicht zu kalt werden, sonst bildet sich Kondensat.
-
Rücklaufanhebung
Hält das Wasser, das in den Kessel zurückfließt, über der Mindesttemperatur, bei den Kesseln im Sortiment 65 °C. Das schützt vor Kondensat und Teer im Kessel.
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Thermische Ablaufsicherung
Öffnet bei Überhitzung des Kessels eine Kaltwasserzufuhr, damit die überschüssige Wärme abgeführt wird, etwa wenn bei Stromausfall die Pumpe steht. Das wirkt nur, wenn das Kaltwasser dann mit ausreichendem Druck nachfließt, also am öffentlichen Wassernetz und nicht über ein Hauswasserwerk.
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Kesselsicherheitsgruppe
Sicherheitsventil, Manometer und Entlüfter überwachen den Druck im Kesselkreis.
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Ausdehnungsgefäß
Nimmt das Wasser auf, das sich beim Aufheizen von Kessel und Speicher ausdehnt.
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Pumpengruppen und Pumpen
Fördern das Wasser zwischen Kessel, Speicher und Heizkreisen.
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Steuerungen und Thermostate
Schalten die Pumpen nach Temperatur und zeigen, wie voll der Speicher geladen ist.
-
Zugbegrenzer
Öffnet bei zu starkem Schornsteinzug eine Klappe und hält den Förderdruck im Bereich, den der Kessel verlangt.
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Heizkreisverteiler mit Festwertregelung
Für die Fußbodenheizung: Die Festwertregelung gibt nur so viel heißes Wasser aus dem Speicher in den Heizkreis, dass der Vorlauf konstant bleibt.
Kessel, Speicher und Anschlussteile bekommen Sie auch aufeinander abgestimmt als Komplettsets mit Speicher, je nach Set mit zwei Pufferspeichern oder mit zusätzlichem Hygiene- oder Kombispeicher für das Warmwasser.
Bedienung
Regelung und automatische Zündung
Wie bequem ein Holzvergaserkessel im Alltag ist, entscheidet vor allem die Regelung. Die Grundausführungen kommen ohne eingebauten Heizungsregler, angeheizt wird von Hand. Die Komfort-Ausführungen haben einen elektronischen Kessel- und Heizungsregler eingebaut und zünden das Holz selbst. Das Befüllen bleibt bei beiden Ausführungen Handarbeit; die Komfort-Ausführung nimmt Ihnen das Anzünden ab.
Grundausführung
Je nach Modell liegen Feuerzugregler, Füll- und Entleerungshahn, Aschelade und Reinigungsbesteck bei. Anheizen und Nachlegen erledigen Sie selbst, die Heizkreise steuert ein vorhandener oder zusätzlicher Regler. Beim kleinsten Kessel ist der Anschluss eines Heizungsreglers schon vorverdrahtet; dafür braucht es zusätzlich einen Abgasfühler.
Komfort-Ausführung
- Automatische Zündung – Sie befüllen den Kessel, der Regler startet die Zündung. Als Zündmittel dienen Holzpellets.
- Regler mit Touchpanel – er steuert Kessel, Kesselkreis, bis zu drei Heizkreise, Warmwasser und Solar, ein eigener Heizungsregler entfällt.
- Fühler ab Werk – der Kessel ist werkseitig mit den nötigen Sensoren ausgestattet, ein Fühlerset mit Abgasfühler liegt bei.
Ein Beispiel ist der Atmos DC 18 GSE Komfort mit 19 kW. Wie sich die Reihen des Herstellers unterscheiden, zeigt die Übersicht der Kesselserien von Atmos; weitere Hersteller finden Sie unter Heiztechnik- und Solar-Marken.
Betrieb
Brennholz, Grenzwerte und Messung
Ein Holzkessel verbrennt nur so sauber wie das Holz, das hineinkommt. Die 1. BImSchV erlaubt Scheitholz und Holzbriketts nur mit weniger als 25 Prozent Feuchte bezogen auf das Trockengewicht, das entspricht rund 20 Prozent Wassergehalt. Feuchtes Holz kostet Wärme, verrußt den Kessel und treibt die Emissionen hoch.
- Holz lagern – luftig, überdacht und mit Abstand zum Boden. Prüfen Sie die Feuchte vor dem Verfeuern mit einem Messgerät an einer frisch gespaltenen Fläche.
- Reinigen und Verschleiß – Asche und Ablagerungen entfernen Sie mit dem mitgelieferten Besteck. Die keramischen Formteile im Brennraum sind Verschleißteile und werden bei Bedarf ersetzt.
- Förderung – ein neuer Holzkessel kann Teil einer geförderten Heizungsmodernisierung sein. Programme und Bedingungen ändern sich; den aktuellen Stand erklärt der Ratgeber Heizungsförderung.
FAQ
Häufige Fragen vor dem Kauf
Gibt es einen Holzvergaser als Kaminofen fürs Wohnzimmer?
Nein. Die Holzvergaser im Sortiment sind Zentralheizungskessel für den Heizraum. Sie haben keine Sichtscheibe, brauchen einen Pufferspeicher und versorgen das ganze Haus. Ein Kaminofen verbrennt das Holz dagegen meist in einem einzigen Brennraum hinter der Scheibe. Wer Feuer im Wohnraum und Wärme für die Heizung verbinden möchte, wählt einen wasserführenden Kaminofen.
Wie viel Holz verbraucht ein Holzvergaserkessel?
Bei Nennwärmeleistung verbrauchen die Kessel im Sortiment rund 3,5 kg Holz pro Stunde bei 15 kW bis rund 7 kg bei knapp 30 kW. Über das Jahr bestimmt der Wärmebedarf Ihres Hauses die Menge, nicht die Kesselgröße: Ein größerer Kessel verbrennt dieselbe Holzmenge nur schneller. Trockenes Holz senkt den Verbrauch, weil weniger Wärme für das Verdampfen von Wasser verloren geht.
Lässt sich ein Holzvergaser mit Öl, Gas oder Wärmepumpe kombinieren?
Ja. Beide Wärmeerzeuger arbeiten dann auf denselben Pufferspeicher: Ist das Holz abgebrannt und der Speicher entladen, übernimmt der zweite Erzeuger. Die Komfort-Regler im Sortiment steuern neben dem Kessel bis zu drei Heizkreise, Warmwasser und Solar. Wie die Erzeuger hydraulisch eingebunden werden, plant Ihr Heizungsbauer.
Darf ich auch Holzbriketts oder Kohle verfeuern?
Holzbriketts ja, die Kessel im Sortiment sind für Scheitholz und Holzbriketts zugelassen. Kohle dagegen nicht: Sie brennt anders ab und braucht einen dafür gebauten Kohlevergaserkessel. Behandeltes Holz wie lackierte Bretter, Spanplatten oder Altholz gehört in keinen privaten Holzkessel.
Wie oft kommt der Schornsteinfeger zur Messung?
Bei Zentralheizungskesseln für feste Brennstoffe ab 4 kW misst der Schornsteinfeger einmal in jedem zweiten Kalenderjahr Staub und Kohlenmonoxid. Dabei prüft er auch, ob der Brennstoff zulässig und trocken genug ist. Vor dem Termin hilft es, den Kessel zu reinigen und gut getrocknetes Holz bereitzulegen.
Den passenden Holzvergaserkessel finden
Wir führen Holzvergaserkessel von Atmos für Scheitholz und Holzbriketts, in der Grundausführung oder als Komfort-Ausführung mit automatischer Zündung. Gemeinsam mit Ihnen klären wir Leistung, Scheitlänge, Speichergröße, Schornsteinanschluss und das Zubehör für Ihre Anlage.
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