Solarer Deckungsgrad: Sommer vs. Winter
Im Sommer kann eine gut dimensionierte Solarthermie-Anlage den Warmwasserbedarf eines Einfamilienhauses zu nahezu 100 Prozent decken. Die Globalstrahlung – also die gesamte Sonnenenergie, die auf einen Quadratmeter Erdoberfläche trifft – liegt in Deutschland je nach Region zwischen 1.000 und 1.260 kWh/m² im Jahr.
Allerdings verteilt sich diese Energie höchst ungleichmäßig über das Jahr: Etwa drei Viertel der Strahlung fallen auf das Sommerhalbjahr (April bis September), nur ein Viertel auf den Winter. Das Verhältnis liegt bei ungefähr 3:1. Konkret bedeutet das: Während im Juni über 160 kWh/m² Globalstrahlung messbar sind, kommen im Dezember gerade einmal 20 bis 30 kWh/m² an.
Der solare Deckungsgrad – also der Anteil des Energiebedarfs, der durch Solarenergie gedeckt wird – sinkt im Winter entsprechend auf etwa 15 bis 30 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich auf eine typische Anlage zur Warmwasserbereitung in einem Einfamilienhaus.
Warum ist der Ertrag im Winter so niedrig?
Mehrere Faktoren wirken zusammen und reduzieren den Ertrag von Solarthermie-Anlagen in der kalten Jahreszeit erheblich:
Geringere Sonneneinstrahlung: Die kürzeren Tage bedeuten schlicht weniger Sonnenstunden. Im Dezember sind es in Deutschland nur etwa 7 bis 8 Stunden Tageslicht, im Juni dagegen bis zu 17 Stunden.
Flacherer Sonnenstand: Im Winter steht die Sonne deutlich tiefer am Horizont. Dadurch muss die Strahlung einen längeren Weg durch die Atmosphäre zurücklegen, was die Intensität mindert.
Wetterbedingungen: Wolken, Nebel, Regen und Schnee reduzieren die verfügbare Strahlungsenergie zusätzlich. Bei bedecktem Himmel erreicht nur noch die sogenannte Diffusstrahlung die Kollektoren – und diese liefert deutlich weniger Energie als direkte Sonneneinstrahlung.
Schneebedeckung: Eine Schneedecke auf den Kollektoren kann die Energiegewinnung vorübergehend vollständig blockieren. Steilere Kollektorneigungen (ab 60 Grad) können hier Abhilfe schaffen, da der Schnee leichter abrutscht.
Vergleich: Solarthermie-Ertrag Sommer vs. Winter
| Faktor |
Sommer (Juni) |
Winter (Dezember) |
| Globalstrahlung (kWh/m²) |
ca. 160 |
ca. 20-30 |
| Tageslichtdauer |
bis 17 Stunden |
7-8 Stunden |
| Solarer Deckungsgrad |
80-100% |
15-30% |
| Typische Kollektortemperatur |
60-90°C |
30-50°C |
"Solarthermie im Winter komplett abzuschreiben wäre falsch. Auch wenn der Ertrag geringer ist, trägt die Anlage zur Vorwärmung des Wassers bei und spart damit Heizkosten – jedes Grad zählt."
Was trotzdem geht: Vorwärmung des Warmwassers
Auch wenn die Solarthermie-Anlage im Winter nicht den kompletten Wärmebedarf decken kann, leistet sie wertvolle Unterstützung. Das kalte Leitungswasser mit etwa 10°C kann durch die Solaranlage auf 25 bis 35°C vorgewärmt werden. Die Hauptheizung muss dann nur noch die restliche Temperaturdifferenz bis zur gewünschten Warmwassertemperatur (üblicherweise 45-55°C) überbrücken.
Diese Vorwärmung spart durchaus Energie: Wenn das Wasser statt von 10°C auf 50°C nur noch von 30°C auf 50°C erwärmt werden muss, reduziert sich der Energiebedarf um etwa 50 Prozent für diesen Schritt.
Bei einer Anlage, die zusätzlich zur Heizungsunterstützung dimensioniert ist (typischerweise 10-20 m² Kollektorfläche), kann auch die Raumheizung im Winter geringfügig entlastet werden. Allerdings ist der Beitrag marginal: Realistisch sind hier Einsparungen von 5 bis 15 Prozent der Heizkosten in den Wintermonaten.
Ehrliche Einordnung: Marketing vs. Realität
Manche Hersteller versprechen hohe Deckungsgrade auch im Winter. Diese Angaben beziehen sich jedoch oft auf ideale Laborbedingungen oder sehr großzügig dimensionierte Anlagen. In der Praxis sieht es meist anders aus.
Eine größere Kollektorfläche kann zwar den Winterertrag steigern, führt aber im Sommer zu Überproduktion. Diese überschüssige Energie muss dann abgeführt werden, um Überhitzung zu vermeiden – und verpufft letztlich ungenutzt. Die höheren Anschaffungskosten einer überdimensionierten Anlage rechnen sich daher selten.
Röhrenkollektoren vs. Flachkollektoren: Röhrenkollektoren (auch Vakuumröhrenkollektoren genannt) erzielen im Winter etwas bessere Erträge als Flachkollektoren. Durch ihre Vakuumisolierung verlieren sie weniger Wärme an die kalte Umgebung. Allerdings sind sie in der Anschaffung etwa 30 Prozent teurer. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt vom individuellen Nutzungsprofil ab.
Die ideale Kombination: Solarthermie und Kaminofen
Wer im Winter nicht frieren und trotzdem Energiekosten sparen möchte, sollte auf eine Kombination verschiedener Wärmeerzeuger setzen. Besonders effektiv: die Verbindung aus Solarthermie und einem wasserführenden Kaminofen.
Im Sommer übernimmt die Solarthermie-Anlage die komplette Warmwasserbereitung. Sobald im Herbst der Ertrag sinkt, kommt der wasserführende Kaminofen ins Spiel. Er heizt nicht nur den Aufstellraum, sondern speist einen Teil seiner Wärme in den Pufferspeicher ein – und unterstützt damit die Warmwasserbereitung sowie die Heizung.
Diese Kombination bietet gleich mehrere Vorteile: Die Solarthermie nutzt die kostenlose Sonnenenergie optimal aus, während der Kaminofen mit nachwachsendem Brennstoff Holz eine weitere CO₂-neutrale Energiequelle erschließt. Dazu kommt die gemütliche Atmosphäre eines echten Feuers – gerade in der dunklen Jahreszeit ein nicht zu unterschätzender Wohlfühlfaktor.
Tipps für mehr Winterertrag
Mit einigen Maßnahmen lässt sich der Ertrag einer Solarthermie-Anlage im Winter zumindest etwas verbessern:
Südausrichtung optimieren: Eine exakte Südausrichtung der Kollektoren ist im Winter besonders wichtig, da die Sonne nur wenige Stunden am Tag scheint und ihr Bogen am Himmel sehr flach verläuft.
Steilere Neigung: Während im Sommer flachere Winkel (30-40 Grad) optimal sind, profitieren Winteranlagen von steileren Neigungen (50-70 Grad). So trifft die tief stehende Wintersonne besser auf die Kollektorfläche.
Gute Dämmung: Wärmeverluste in Rohrleitungen und am Speicher machen sich im Winter besonders bemerkbar. Eine hochwertige Isolierung aller Komponenten ist daher essenziell.
Regelmäßige Wartung: Verschmutzte Kollektoren oder ein suboptimaler Durchfluss reduzieren den ohnehin geringen Winterertrag zusätzlich. Eine jährliche Inspektion vor Beginn der Heizperiode ist empfehlenswert.
Fazit: Solarthermie im Winter realistisch betrachten
Solarthermie ist eine sinnvolle Technologie – aber kein Allheilmittel für die kalte Jahreszeit. Im Winter erreichen Anlagen nur etwa 20 bis 30 Prozent ihrer Sommerleistung. Für die Heizungsunterstützung ist der Beitrag marginal.
Dennoch lohnt sich Solarthermie: Über das Jahr gerechnet spart eine gut geplante Anlage 50 bis 70 Prozent der Energiekosten für Warmwasser. Wer zusätzlich auf einen wasserführenden Kaminofen im Set mit Pufferspeicher setzt, schafft ein durchdachtes Heizsystem, das Energiekosten senkt und unabhängiger von fossilen Brennstoffen macht.
Die ehrliche Einordnung: Solarthermie allein wird dich im Winter nicht warm halten. In Kombination mit anderen Wärmeerzeugern entfaltet sie aber ihr volles Potenzial – und das lohnt sich langfristig.
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